Du fragst dich, wann und wie du dein Arbeitszeugnis am besten anfordern solltest, um deine beruflichen Weichen optimal zu stellen? Ob nach einer Kündigung, beim Betriebsübergang oder im laufenden Arbeitsverhältnis, die Art und Weise der Anforderung sowie der richtige Zeitpunkt sind entscheidend für die Qualität deines Zeugnisses und deine zukünftigen Bewerbungschancen.
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Der richtige Zeitpunkt für deine Arbeitszeugnisanforderung
Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für die Anforderung eines Arbeitszeugnisses ist von großer Bedeutung, denn ein optimal formuliertes Zeugnis kann deine berufliche Weiterentwicklung maßgeblich beeinflussen. Grundsätzlich gibt es verschiedene Situationen, in denen du ein Recht auf ein Arbeitszeugnis hast. Die häufigste ist natürlich das Ende eines Arbeitsverhältnisses, sei es durch deine Kündigung, eine betriebsbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber oder einvernehmlich.
Arbeitszeugnis nach Kündigung
Nachdem du deine Kündigung eingereicht oder vom Arbeitgeber erhalten hast, solltest du dein Arbeitszeugnis so früh wie möglich anfordern. Idealerweise geschieht dies zeitgleich mit der Kündigung oder kurz danach, um dem Arbeitgeber ausreichend Zeit für die Erstellung zu geben und sicherzustellen, dass es dir rechtzeitig vor Vertragsende vorliegt. Eine schriftliche Anforderung ist hierbei ratsam.
Arbeitszeugnis bei Betriebsübergang
Auch bei einem Betriebsübergang nach § 613a BGB behältst du dein Recht auf ein Arbeitszeugnis. Der neue Inhaber des Betriebs ist verpflichtet, dir auf Verlangen ein Zeugnis auszustellen, das sich auf die Zeit bis zum Übergang bezieht. Sprich dich hierzu mit deinem neuen Arbeitgeber ab, um das Vorgehen zu klären.
Arbeitszeugnis im laufenden Arbeitsverhältnis (Zwischenzeugnis)
In bestimmten Fällen hast du auch im laufenden Arbeitsverhältnis Anspruch auf ein sogenanntes Zwischenzeugnis. Dies ist sinnvoll, wenn du dich intern um eine neue Position bewerben möchtest, wenn sich dein Aufgabenbereich wesentlich verändert hat oder wenn ein Vorgesetzter wechselt. Auch bei einer längeren Krankheit oder einer Elternzeit kann die Anforderung eines Zwischenzeugnisses sinnvoll sein, um deinen Kenntnisstand und deine Leistungen zu dokumentieren.
Anforderung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses
Es ist wichtig zu wissen, dass du Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis hast, welches nicht nur deine Tätigkeiten, sondern auch deine Leistung und dein Verhalten beurteilt. Formuliere deine Anforderung entsprechend, falls du ein einfaches Zeugnis (nur Tätigkeitsbeschreibung) erhalten hast und ein qualifiziertes möchtest.
Wie du dein Arbeitszeugnis anfordern solltest
Die Art und Weise, wie du dein Arbeitszeugnis anforderst, kann entscheidend für dessen Inhalt und deine zukünftigen Chancen sein. Eine klare, schriftliche und professionelle Anfrage vermeidet Missverständnisse und erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein aussagekräftiges und wohlwollendes Zeugnis zu erhalten.
Schriftliche Anforderung: Deine sicherste Methode
Die sicherste und am besten nachvollziehbare Methode ist die schriftliche Anforderung deines Arbeitszeugnisses. Dies kann per E-Mail oder Brief erfolgen. So hast du einen Nachweis über deine Anfrage und kannst dich auf die Inhalte berufen, die du angefordert hast.
Beispielhafte Formulierung einer schriftlichen Anforderung (E-Mail):
Betreff: Anforderung Arbeitszeugnis – [Dein Name]
Sehr geehrte/r Herr/Frau [Name des Vorgesetzten oder der Personalabteilung],
hiermit bitte ich Sie um die Ausstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses für meine Tätigkeit als [Deine Position] seit dem [Datum des Eintritts].
Da mein Arbeitsverhältnis zum [Datum des Austritts, falls zutreffend] endet, bitte ich Sie, mir das Zeugnis bis spätestens [Datum, z.B. eine Woche vor Austrittsdatum] zukommen zu lassen.
Ich bitte Sie, neben meiner Tätigkeit auch meine Leistungen und mein Verhalten im Unternehmen zu beurteilen.
Vielen Dank für Ihre Bemühungen.
Mit freundlichen Grüßen
[Dein Name]
Persönliches Gespräch: Ergänzend zur schriftlichen Anfrage
Ein persönliches Gespräch mit deinem direkten Vorgesetzten oder der Personalabteilung kann eine gute Ergänzung zur schriftlichen Anforderung sein. Nutze dieses Gespräch, um deine Erwartungen bezüglich des Zeugnisses zu äußern. Sprich offen über deine Erfolge und Projekte, an denen du maßgeblich beteiligt warst. Dies kann dem Zeugnisersteller helfen, die wichtigsten Punkte hervorzuheben.
Was im Arbeitszeugnis stehen sollte: Deine Wünsche äußern
Du hast das Recht, deine Wünsche bezüglich des Inhalts deines Arbeitszeugnisses zu äußern. Konzentriere dich dabei auf:
- Tätigkeitsbeschreibung: Eine detaillierte Auflistung deiner Aufgaben und Verantwortlichkeiten.
- Leistungsbeurteilung: Hierzu gehören Punkte wie Fachwissen, Arbeitsweise, Belastbarkeit, Engagement und Zuverlässigkeit. Achte auf typische Formulierungen, die eine sehr gute Leistung signalisieren (z.B. „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“).
- Sozialverhalten: Die Beurteilung deines Verhaltens gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden. Auch hier gelten positive Formulierungen als Indikator für eine gute Bewertung.
- Schlusssatz: Ein wohlwollender Schlusssatz, der dir für die Zukunft alles Gute wünscht und den Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses nennt (sofern positiv formuliert, z.B. „auf eigenen Wunsch“ oder „wegen beruflicher Weiterentwicklung“).
Formale Aspekte und Fristen
Ein Arbeitszeugnis sollte bestimmte formale Kriterien erfüllen:
- Es muss auf dem offiziellen Briefkopf des Unternehmens ausgestellt sein.
- Es muss aktuell sein (Datum der Ausstellung darf nicht vor dem Austrittsdatum liegen).
- Es muss von einer berechtigten Person (z.B. Geschäftsführer, Personalleiter) unterschrieben sein.
- Du hast in der Regel Anspruch darauf, das Zeugnis innerhalb einer angemessenen Frist nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu erhalten. Wenn dies nicht geschieht, kannst du deinen Arbeitgeber mahnen.
| Zeitpunkt der Anforderung | Geeignete Situation | Art des Zeugnisses | Empfohlenes Vorgehen |
|---|---|---|---|
| Sofort nach Kündigungseingang | Eigenkündigung, Kündigung durch Arbeitgeber | Qualifiziertes Arbeitszeugnis | Schriftliche Anforderung per E-Mail/Brief, ggf. persönliches Gespräch zur Präzisierung der Wünsche. |
| Nach Betriebsübergang | Verkauf oder Umstrukturierung des Betriebs | Qualifiziertes Arbeitszeugnis (rückwirkend) | Absprache mit neuem Arbeitgeber, schriftliche Anforderung des alten Arbeitgebers. |
| Während des laufenden Arbeitsverhältnisses | Bewerbung intern, wesentliche Aufgabenänderung, Vorgesetztenwechsel, lange Abwesenheit | Zwischenzeugnis (qualifiziert) | Schriftliche Anforderung mit Begründung, Gespräch zur Klärung der Inhalte. |
| Nach Erhalt eines einfachen Zeugnisses | Wenn nur Tätigkeiten, aber keine Beurteilung enthalten sind | Umwandlung in qualifiziertes Zeugnis | Schriftliche Aufforderung zur Ergänzung, ggf. nach Absprache. |
Worauf du bei der Prüfung deines Arbeitszeugnisses achten solltest
Nachdem du dein Arbeitszeugnis erhalten hast, ist eine sorgfältige Prüfung unerlässlich. Die Art und Weise, wie deine Leistungen und dein Verhalten bewertet werden, ist oft nicht offensichtlich und bedarf genauerer Betrachtung der verwendeten Formulierungen.
Die Bedeutung von Schlüsselformulierungen
Die Beurteilung im Arbeitszeugnis erfolgt oft durch sogenannte Schlüsselformulierungen. Diese sind standardisiert und haben eine festgelegte Bedeutung:
- Sehr gute Leistungen: Formulierungen wie „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ oder „führte die Aufgaben stets mit äußerster Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit aus“.
- Gute Leistungen: „zu unserer vollen Zufriedenheit“, „führte die Aufgaben mit großer Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit aus“.
- Befriedigende Leistungen: „zu unserer Zufriedenheit“, „führte die Aufgaben mit Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit aus“.
- Ausreichende Leistungen: „hat sich bemüht, die Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erfüllen“. Diese Formulierung ist oft ein Warnsignal.
- Mangelhafte Leistungen: Hier wird oft die Bemühung gar nicht mehr erwähnt.
Auch bei der Beschreibung des Sozialverhaltens gibt es ähnliche Abstufungen, beispielsweise „stets vorbildlich“, „stets gut“, „gut“ oder „entsprach den Anforderungen“.
Fehler und Lücken im Arbeitszeugnis
Achte auf folgende potenzielle Fehler und Lücken:
- Fehlende Angaben: Wurden alle relevanten Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten aufgeführt? Fehlt die Angabe des Grundes für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses?
- Negative Formulierungen: Achte auf Formulierungen, die negativ ausgelegt werden könnten, auch wenn sie auf den ersten Blick neutral erscheinen.
- Rechtschreib- und Grammatikfehler: Diese können auf mangelnde Sorgfalt hindeuten.
- Unklare oder widersprüchliche Aussagen: Das Zeugnis sollte in sich schlüssig sein.
Wenn dein Arbeitszeugnis nicht deinen Erwartungen entspricht
Solltest du mit der Bewertung in deinem Arbeitszeugnis unzufrieden sein oder Fehler entdecken, hast du das Recht auf Korrektur. Beginne auch hier mit einer schriftlichen Aufforderung zur Berichtigung. Lege deine Bedenken dar und begründe, welche Änderungen du dir wünschst. Beachte, dass du für die Korrektur eine Frist setzen kannst.
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FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Arbeitszeugnis anfordern: Wann und wie solltest du danach fragen?
Wann habe ich Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?
Du hast grundsätzlich Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, wenn dein Arbeitsverhältnis beendet wird. Ebenso hast du unter bestimmten Voraussetzungen das Recht auf ein Zwischenzeugnis im laufenden Arbeitsverhältnis, beispielsweise bei wesentlichen Änderungen deiner Tätigkeit oder einem Wechsel des Vorgesetzten.
Muss ich ein qualifiziertes Arbeitszeugnis anfordern?
Ja, in den meisten Fällen ist es ratsam, ein qualifiziertes Arbeitszeugnis anzufordern. Dieses enthält nicht nur eine Beschreibung deiner Tätigkeiten, sondern auch eine Bewertung deiner Leistungen und deines Verhaltens, was für zukünftige Bewerbungen entscheidend ist.
Wie lange dauert die Erstellung eines Arbeitszeugnisses in der Regel?
Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses sollte dir das Arbeitszeugnis ohne schuldhaftes Zögern, also in der Regel innerhalb weniger Wochen, ausgestellt werden. Bei einem Zwischenzeugnis ist ebenfalls eine angemessene Frist zu beachten.
Was mache ich, wenn mein Arbeitgeber sich weigert, mir ein Zeugnis auszustellen?
Wenn dein Arbeitgeber die Ausstellung eines Arbeitszeugnisses verweigert oder dieses fehlerhaft ist, solltest du zunächst schriftlich zur Ausstellung bzw. Korrektur auffordern. Kommt der Arbeitgeber dieser Aufforderung nicht nach, kannst du rechtliche Schritte einleiten und gegebenenfalls Klage auf Zeugniserteilung beim Arbeitsgericht erheben.
Wie detailliert sollte die Tätigkeitsbeschreibung im Arbeitszeugnis sein?
Die Tätigkeitsbeschreibung sollte so detailliert wie möglich sein und alle wesentlichen Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Projekte aufzeigen, die du während deiner Anstellung wahrgenommen hast. Dies hilft potenziellen neuen Arbeitgebern, deine Erfahrungen und Fähigkeiten richtig einzuschätzen.
Kann ich die Formulierungen in meinem Arbeitszeugnis beeinflussen?
Ja, du kannst deine Wünsche bezüglich der Formulierungen im Arbeitszeugnis äußern. Es empfiehlt sich, vor der finalen Erstellung des Zeugnisses ein Gespräch mit deinem Vorgesetzten zu suchen und auf die Hervorhebung deiner wichtigsten Erfolge und positiven Eigenschaften hinzuweisen. Sei dabei konkret und begründe deine Anliegen.
Muss ein Arbeitszeugnis vom Geschäftsführer unterschrieben sein?
Nicht zwingend vom Geschäftsführer persönlich. Ein Arbeitszeugnis muss von einer bevollmächtigten Person ausgestellt und unterschrieben werden, die dazu befugt ist. Dies kann auch ein Personalleiter oder ein anderer leitender Angestellter sein. Wichtig ist die Funktion und die daraus resultierende Unterschriftsberechtigung.